Erfahrungsbericht

Blumen auf einem Markt in den Niederlanden
© Robert-Bosch-Krankenhaus

von Ulrike Schilling und Nadine Treff Internationaler Tag

Am 04.12.2018 fand ein „Internationaler Tag Buurtzorg“ in Almelo, Niederlande statt. Ulrike Schilling und Nadine Treff waren im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Programms „Care for Chronic Condition (CfCC)“ vor Ort. Sie berichten, mit welchen Fragen sie sich auf den Weg gemacht haben und mit welchen Antworten sie zurückgekehrt sind. Buurtzorg ist eine von professionell Pflegenden geführte Organisation von selbstverwalteten Teams, die Patientinnen und Patienten häusliche Pflege anbieten.

FortbildungSelbstorganisation als wichtiges Prinzip

Ausgangssituation, Fragestellung und Ziel
Als Referentinnen für ambulante und stationäre Pflege besteht eine unserer Hauptaufgaben darin, fachliche und organisatorische Konzeptionen zu entwickeln und zu implementieren. Für uns ist es deshalb wichtig, innovative Konzepte kennenzulernen, wie die Organisation und Aufgabenverteilung innerhalb ambulanter Dienste aussehen kann, damit die Versorgung hilfe- und pflegebedürftiger, chronisch und mehrfach kranker Menschen auch zukünftig sichergestellt ist. Mit der Teilnahme am Internationalen Tag Buurtzorg wollten wir Einblick in einen innovativen Ansatz bekommen und Möglichkeiten der Implementierung diskutieren. Folgende Fragen haben wir zur Veranstaltung mitgenommen: Wie ist die Organisationsstruktur und Ablauforganisation aufgebaut in Buurtzorg? Wie werden Information intern und extern übermittelt? Welche technischen Unterstützungssysteme werden genutzt?

Art und Ablauf der Bildungsmaßnahme
Die niederländische Organisation „Buurtzorg“ (dt. „Betreuung in der Nachbarschaft“) wurde 2006 von Jos de Blok gegründet. Es handelt sich dabei um einen sehr erfolgreichen ambulanten Pflegedienst, dessen Grundsätze und Organisationsprinzipien sich deutlich von anderen Versorgungsformen unterscheiden. Weiterführende Informationen zu Buurtzorg finden sich unter www.buurtzorg.com.

Der Internationale Tag Buurtzorg hat zum Ziel, einen internationalen Austausch über das Konzept Buurtzorg und damit verbundene praktische Erfahrungen zu ermöglichen. Buurtzorg erlebte ein außergewöhnliches Wachstum und ist über die Grenzen hinweg sehr bekannt. So reisten auch schon asiatische Delegationen zu einem „International Day“ nach Almelo, wo die Buurtzorg-Zentrale zu finden ist. Die „International Days“ sind inzwischen ein fester Bestandteil im Jahresprogramm, da Buurtzorg so viele Anfragen aus aller Welt erhält.

Praktikerinnen und Praktiker von Buurtzorg berichten am in Impulsvorträgen von ihrer Arbeit. Zu den Vortragenden zählen der CEO, Verwaltungsmitarbeitende, Personen aus einem Pflegeteam sowie IT-Mitarbeitende. Neben der Geschichte von Buurtzorg stehen vor allem die Rolle der Informationstechnologie, das Finanzierungsmodell und Verwaltungsaufgaben sowie die Arbeit der Teams vor Ort im Mittelpunkt der Diskussionen. Das sind alles zentrale Themen der Aufbau- und Ablauforganisation. Im Anschluss an die Vorträge war es möglich, Fragen zu stellen und zu diskutieren.

Ergebnisse der Bildungsmaßnahme und Transfer
Auf der Grundlage des Wissens und der Erfahrungen der Mitarbeitenden von Buurtzorg sowie des Austausches mit den Teilnehmenden wurden wichtige Umsetzungsfragen thematisiert. Zudem konnten mögliche Barrieren benannt und damit verbundene Auswirkungen auf eine Implementierung diskutiert werden.

Die Bildungsmaßnahme hat einen Beitrag dazu geleistet, den Transfer in unsere Heimateinrichtung strategisch in den Blick zu nehmen. Wir konnten erste Ideen der praktischen Umsetzung sammeln, wie es gelingen kann, die ambulante Versorgung multimorbider, chronisch kranker Menschen zu verbessern und dabei insbesondere die Themen Partizipation und Gesundheitsförderung vermehrt in den Blick zu nehmen. Es ist davon auszugehen, dass ein Transfer in die Praxis außerdem einen Beitrag zur Mitarbeitergewinnung und -bindung leisten kann.

Fazit
Das Konzept Buurtzorg und seine praktische Umsetzung bieten Chancen und gleichzeitige Herausforderungen für die Umsetzung in Deutschland. Die primäre Gesundheitsversorgung kann damit eine erhebliche Qualitätsverbesserung erfahren bei gleichzeitiger Reduktion der  Gesundheitsausgaben. Gleichzeitig stellen die Versäulung des Gesundheitswesens sowie die bisherige Qualifikation der Mitarbeitenden, nicht zuletzt um eine Selbstorganisation zu ermöglichen, besondere Hürden für eine Implementierung dar.

Autorinnen
Ulrike Schilling, Referentin Altenhilfe und Pflege, Samariterstiftung
Nadine Treff, Referentin im Referat Altenhilfe und Pflege, Samariterstiftung

Datum der Veröffentlichung
26.02.2019

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