Erfahrungsbericht

© Robert-Bosch-Krankenhaus GmbH
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von Wolfgang Franz Spitex Zürich Limmat

Vom 02. bis 05.07.2019 hospitierte Wolfgang Franz bei Spitex Zürich Limmat in der Schweiz. Der Aufenthalt wurde durch das Programm „Care for Chronic Condition (CfCC)“ der Robert Bosch Stiftung gefördert. Spitex Zürich Limmat erfüllt einen Leistungsauftrag der Stadt Zürich für die ambulante Pflege und Betreuung der Menschen zu Hause. 1000 Mitarbeitende in neun Spitex-Zentren betreuen 6500 Menschen rund um die Uhr. Wolfgang Franz berichtet hier von seinen Erfahrungen.

HospitationPalliative Care, Social Care, Chronic Care

Ausgangssituation, Fragestellung und Ziel
Der demografische Wandel stellt die im Gesundheitswesen Beschäftigten vor vielfältige Herausforderungen. Die steigende Anzahl älterer, multimorbider chronisch kranker Menschen,  ein Teil davon mit Migrationshintergrund führt zu komplexen Arbeitsanforderungen in der Gesundheitsversorgung der dort Beschäftigten. Die Gesundheitsorganisationen sollten auf diese Herausforderung reagieren und ihre Institutionen innovativ weiterentwickeln. Weil ich erkunden wollte, wie das pragmatisch umsetzbar sein könnte, habe ich den ambulanten Sektor die Spitex Zürich Limmat besucht. Ziel war unter anderem, Anregungen zur interprofessionellen Zusammenarbeit bei der Versorgung von schwerkranken und pflegebedürftigen Menschen zu erhalten. Dort wurde in der Versorgung von Menschen mit chronischen Krankheiten und deren Angehörige ein Konzept von sich selbstorganisierenden Teams implementiert.

Art und Ablauf der Bildungsmaßnahme
Nach einem Einführungsgespräch mit der Betreuerin der Hospitation, konnte ich mit den Fachkräften der verschiedenen Dienste per E-Bike die Betreuung und Pflege von chronisch kranken Menschen beobachten. Die verschiedenen Dienste, die ich begleiten konnte, waren die Palliative Care Pflege, die psychiatrische Pflege, die Social Care Pflege bei der Betreuung von an Demenz erkrankter Menschen und von Menschen mit chronischen Krankheiten (Chronic Care).

Ergebnisse der Bildungsmaßnahme und Transfer
Im Abschlussgespräch wurden die Erfahrungen besprochen und Unterschiede zwischen der deutschen und schweizerischen Gesundheitsversorgung in der Organisation im ambulanten Sektor bei Pflegedienstleistungen reflektiert. Die Spitex Zürich pflegt und betreut zuhause lebende Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen und unterstützt ihre An- und Zugehörigen. Zur Spitex Zürich zählen die drei Organisationen Spitex Zürich Sihl (374 Mitarbeiter), Spitex Zürich Limmat AG (1034 Mitarbeiter) und Spitex Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich. 2018 startete das Spitex Zentrum Schwamendingen das Pilotprojekt „selbstorganisierte Teams“. Das so angekurbelte disruptive Organisationsveränderungsprojekt war zeitintensiv und spannend. Die Evaluation des Pilotprojekts war so überzeugend, dass die Spitex Leitung entschieden hat, das Modell in der ganzen Organisation Spitex Zürich Limmat einzuführen.

Innovative Versorgungskonzepte sollten künftig die Problematik der gegenseitigen Beeinflussung von Regelungs- (d.h. Gesetze, Vorgaben, Unternehmenskultur) und Handlungsebene (Interaktion von Personal mit Patienten) bei Team- und Organisationsstrukturen in der Gesundheitsversorgung aufgreifen. Ein gelungenes Beispiel dafür bietet die Spitex Zürich Limmat mit ihrem Konzept der selbstorganisierten Teams.

Als niedergelassener Psychotherapeut mit einem Versorgungsauftrag der KV Baden-Württemberg kommen zunehmend KlientInnen mit Anliegen der Pflege von An- und Zugehörigen, speziell bei Menschen mit Demenz und Palliative Care Fragestellungen in meine Praxis. Die Hospitation bei Spitex Zürich Limmat hat mir einen guten Einblick in den Bereich Beratung von Menschen mit chronischen Krankheiten und ihren Angehörigen verschafft. Ich werde davon einiges in meinen Arbeitsalltag einbringen können. 

Fazit
Mit sich selbstorganisierenden Teams werden Führungskräfte nicht überflüssig. Sie wurden von Spitex Zürich Limmat aufgefordert, sich und ihre Funktion zu verändern. Jeder von ihnen solle sich überlegen, welche sinnstiftenden Beiträge er künftig in der sich entwickelnden Organisation leisten solle. Es ginge nicht einfach darum, Kosten zu sparen, aber trotzdem als Organisation weiterhin effektiv zu arbeiten. Das Hauptaugenmerk wurde auf die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und Kunden/Kundinnen gelegt und dies auch ständig evaluiert. Dank der zunehmenden Autonomie bei der Arbeit in selbstorganisierten Teams ist die Spitex Zürich Limmat auf dem Arbeitsmarkt attraktiver geworden. Daher konnten viele motivierte und kompetente Mitarbeitende für die neu sich selbstorganisierenden Teams in Schwamendingen (Pilotprojekt) gewonnen werden.
 

Autor
Wolfgang Franz, Psychotherapeut
 

Datum der Veröffentlichung
06.08.2019

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