Erfahrungsbericht

© Katrin Vermelin
© Katrin Vermelin

von Katrin Vermelin Spitex Zürich Limmat

Vom 14. bis 18.10.2019 hospitierte Katrin Vermelin bei Spitex Zürich Limmat in der Schweiz. Ihr Aufenthalt wurde durch das Programm „Care for Chronic Condition (CfCC)“ der Robert Bosch Stiftung vermittelt und gefördert. Sie versprach sich von dem Aufenthalt unter anderem Antworten auf folgende Fragen: Wie wird die ambulante Pflege gestaltet und finanziert? Wie sehen die zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen aus?

HospitationAmbulante Pflege mal anders

Ausgangssituation, Fragestellung und Ziel
Ich arbeite als Pflegedienstleitung in einem der fünfzehn Pflegebereiche der Diakoniestation Stuttgart. Die Diakoniestation Stuttgart bietet fachgerechte, individuelle Pflege und Betreuung in der Häuslichkeit an.
Im Rahmen der Weiterentwicklung der Profession „Ambulante Pflege“ war es für mich sehr interessant, an dem Hospitations- und Fortbildungsprogramm „Care for Chronic Condition (CfCC)“ teilzunehmen. Ich konnte somit 5 Tage lang über den lokalen Tellerrand hinausschauen.
Ich habe für meine Hospitation den Schweizer Programm-Partner „Spitex Zürich Limmat“ ausgesucht. Spitex Zürich Limmat erfüllt einen Leistungsauftrag der Stadt Zürich für die ambulante Pflege und Betreuung der Menschen zu Hause und ist das Pendant zu meiner Tätigkeit in Deutschland. Somit konnte ich in dem mir vertrauten Pflegesetting der ambulanten Pflege Neues erfahren und meine eigene Arbeit in Deutschland unter Berücksichtigung des neuen „Schweizer Inputs“ reflektieren.

Ziel dieser 5 Tage war es, die Situation in Deutschland und der Schweiz zu vergleichen und folgende Fragen zu beantworten:
Wie wird die ambulante Pflege gestaltet und finanziert? Wie sehen die zeitlichen und inhaltlichen Anforderungen aus? Wie werden chronisch multimorbide Erkrankte versorgt und betreut? Wie wird eine Pflege organisiert, welche Vernetzung stehen Angehörigen und zu Pflegenden zur Verfügung? Wie werden Mitarbeiter in den Pflegeprozessen und deren Gestaltung mit einbezogen? Kurz zusammengefasst: Wie funktioniert die ambulante Pflege bei unserem Nachbarn und gibt es Ansätze, die in Deutschland Anwendung finden könnten?

Art und Ablauf der Bildungsmaßnahme
Im Vorfeld der Hospitation habe ich meine Fragestellungen und Wünsche an meine Kontaktperson von Spitex Zürich Limmat geschrieben. Diese hat dann für die Hospitationswoche einen mir zugeschnitten Hospitationsplan erstellt. So wurde es mir möglich, einen Einblick in das Schweizer Gesundheitssystem zu bekommen, speziell in die Spitex-Versorgung. Ich besuchte verschiedene Zentren und Fachstellen von Spitex Zürich Limmat wie z.B. das „Chronic Care“, das „Palliative Care“ und das Psychosoziale Spitex Center. Ebenso begleitete ich eine Tour des „Social Care“ Teams und hospitierte in einem Spitex Wundzentrum. Während der Hospitation stand mir immer eine Kontaktperson zur Seite, die meine Fragen vollumfänglich beantworten konnte.

Ergebnisse der Bildungsmaßnahme und Transfer
In der Schweiz erfolgt die Pflegeeinschätzung durch eine höher qualifizierte Pflegefachkraft. Diese führt eine Bedarfsabklärung durch. Als Assessment Instrument wird in der Schweiz das RAI-HC angewendet (Resident Assessment Instrument - Home Care).
Durch diese Bedarfsabklärung werden „die Maßnahmen der Abklärung und Beratung“, „die Untersuchung und Behandlung“ sowie „die Maßnahmen der Grundpflege“ festgelegt. Diese Leistungen werden aus der obligatorischen Grundversicherung rückerstattet. Voraussetzung für die Leistungsübernahme der Krankenversicherung ist ein ärztlicher Spitex-Auftrag (Verordnung), die Abklärung des Bedarfs an Hilfe und Pflege (Bedarfsabklärung) und ein voraussichtlicher zeitlicher Pflegeaufwand. Die Spitex-Kundinnen und Kunden zahlen eine Tagesbeteiligung sowie ihre selbstgewählte Jahres-Franchise und einen zusätzlichen gesetzlichen Selbstbehalt. Durch regelmäßige „Re-Assessments“ werden die Interventionen entsprechend angepasst und bei pflegerelevanten Veränderungen kann eine Spitex-interne Fachstelle miteinbezogen werden. Die Spitex-Kundinnen und Kunden profitieren vom „Chronic-Care“ Ansatz. Dies stellt gerade für mehrfacherkrankte und chronisch kranke Menschen einen wesentlichen Vorteil dar. Durch den „Chronic-Care“ Ansatz kann eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Koordination in der Versorgung zu Hause erfolgen. Dadurch soll das Selbstmanagement gefördert werden. Die Lebensqualität kann durch die angepasste Gestaltung der Leistungserbringung gesteigert werden und somit eine frühzeitige Belastung im Alltag mit Komplikationen reduziert werden. Durch die Fallführung des Spitex Fachberaters, mit entsprechender Fach- und Beratungskompetenz, kann eine zeitnahe und entsprechende Pflege und Versorgung erfolgen. Die Handlungsfreiheiten der Pflegekräfte in der pflegerischen Versorgung sind ausgeprägter in der Schweiz als in Deutschland. Im zeitlichen und pflegerischen Sinne erhalten die Kunden eine ihren Bedürfnissen angepasste Versorgung und die Mitarbeiter entsprechende Zeit, die Pflege durchzuführen. 

Fazit
Dank des CfCC-Hospitationsprogramms konnte ich nicht nur die relevanten Prozesse der ambulanten Pflege in der Schweiz verstehen, sondern sie selbst in der täglichen Praxis erleben. Die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen unterscheiden sich zwischen Deutschland und der Schweiz in wesentlichen Punkten und machen somit einen direkten Vergleich nicht möglich. Beeindruckt war ich von der Zeit, die Kunden/innen gewidmet wird, und von der individuellen Fallführung durch das „Chronic Care“ Konzept. Beide ermöglichen eine individuelle Pflege zu Hause. Da wäre ein Umdenken in Deutschland schön und würde zu einer Steigerung der Mitarbeitermotivation beitragen.

Autor
Katrin Vermelin, PDL, Diakoniestation Stuttgart, Pflegebereich Bad Cannstatt

Datum der Veröffentlichung
04.12.2019

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