Erfahrungsbericht

© RKU privat 2019
© RKU privat 2019

von Helene Maucher, Matthias Feistl, Sabrina Erz, Kerstin Leib, Alexandra Melchior Besuch in Magnetkliniken, USA

Vom 6. bis 12. Oktober 2019 war ein Team aus dem RKU - Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm gGmbH in den USA. Sie hospitierten an zwei Tagen in zwei zertifizierten Magnetkliniken in Florida. Sie nahmen außerdem an der dreitägigen ANCC Magnet® Conference in Orlando teil. Sie berichten hier von ihren Erfahrungen und Erkenntnissen. 

HospitationAdvanced Nursed Practice

Ausgangssituation, Fragestellung und Ziel
Im Rahmen der Pflegestrategie bestand das Ziel des Auslandsaufenthaltes darin, einen erneuten Einblick in Magnetkrankenhäuser zu bekommen und Ideen zur Umsetzung für die eigene Praxis zu erlangen. Im Rahmen des Hospitationsprogramms waren dabei folgende Fragestellungen relevant:
- Wie wird das Thema Skill- und Grade-Mix unter Professionalisierungsaspekten umgesetzt?
- Welche Rollen spielen ANPs (Advanced Nursed Practice)?
- Wie wird am Beispiel der Schlaganfall-Betreuung der Prozess der Patientensteuerung im interdisziplinären Team umgesetzt? (Rolle der ANPs, Rolle der RN (Registered Nurse), Rolle der Ärzte)
- Welche Unterstützung bietet die Digitalisierung im Prozess für die interdisziplinäre Kommunikation?
- Welche Rolle spielt die Pflegestrategie (Magnetkrankenhaus) in Bezug auf Patienten Outcomes und Mitarbeiterzufriedenheit?
- Welche ANP-Rollen arbeiten übergreifend?
- Für welche weiteren chronischen Erkrankungen stehen Patiententeams zur Verfügung?

Art und Ablauf der Bildungsmaßnahme
Die Hospitation fand an zwei Tagen in zwei zertifizierten Magnetkliniken (Tampa General Hospital und UF Health Jacksonville) in Florida (USA) statt. An drei weiteren Tagen wurde die ANCC Magnet® Conference in Orlando besucht.

Ergebnisse der Bildungsmaßnahme
Die Fragestellungen bei den Hospitationen bezog sich auf die Rolle der ANPs (Advanced Nursing Practitioners) im Kontext der Kliniken. Hierzu konnte durch den direkten Dialog mit den Experten unterschiedliche Inhalte geklärt und reflektiert werden. Durch die strategische Ausrichtung an den pflegeinhaltlichen Modellen relationship-based Care und den transparenten Stationscockpits mit Qualitätskennzahlen konnte eine direkte Rückkopplung zu Effizienz und Effektivität der Arbeit der ANPs rückgespiegelt werden. Ebenfalls konnte die Identifikation mit dem Pflegeberuf transparent gemacht werden.

Parallel konnte im Dialog mit den Experten und pflegewissenschaftlichen Mitarbeitern die Ergebnisse der an den Kliniken durchgeführten Studien diskutiert werden (z.B. Guirgis, Gerdik (2013)). Diese zeigten beispielsweise den Gewinn des Einsatzes der ANPs auf Stationen auf, so wurden durch deren Einsatz weniger Patienten auf die Intensivstation rückverlegt. Für die einzelnen Teilnehmer ergaben sich gleich in mehrerlei Hinsicht verschiedene Erkenntnisse – beispielsweise die Weiterentwicklung der Pflege mit einer klaren Strategieplanung zum Magnetkrankenhaus und den Themen Digitalisierung, Qualitätsmessungen und Akademisierung. Des Weiteren wurde der Einsatz von ANPs anhand der konkreten Bedarfe und Fragestellung im jeweiligen Kontext für die Führungsebene konkret.

Für den operativen Alltag wurden wichtige Impulse gegeben, die gelebte Identifikation mit Rolle und Beruf der Pflege in der direkten Patientenversorgung umzusetzen. Auf der Station ist die Prüfung der Pflegequalität in der direkten operativen Arbeit aufgrund der Transparenz durch die Qualitätsdashboards und die konsequente Rückverfolgbarkeit der Interventionen durch einen ANP deutlich erkennbar. Auch in der medizinischen Strategie zeigt sich im direkten Austausch mit ANPs und Ärzten klar die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Definition der entsprechenden Rollen zur patientenzentrierten Versorgung (PCC, RBC).

Für die Unternehmensstrategie Pflege der Sana Kliniken AG konnte ein konkreter Bezug zur strategischen Ausrichtung mit einer konsequenten Qualitätsentwicklung mit Skill- und Grademix und transparenten Benchmarks hergestellt werden. Sie findet dort im Konkreten eine weitere Umsetzung.
Weiter konnten zahlreiche Vorträge an der ANCC Magnet®Conference die Erfahrungen in den Magnetkliniken unterstützen und weitere nachhaltige Kontakte geknüpft werden, die die künftigen Schritte der Exzellenzentwicklung in der Pflege unterstützen. Auch wurde das Pre- Attending- Programm der ANCC transparent und ist von höchster Relevanz. Der Grund: Es bietet konkrete Beratung und Begleitung für bereits fortgeschrittene Einrichtungen in ihrer Journey to Magnet®.
Die Inhalte fließen in die konzernweite Fokusgruppe Pflegequalität sowie in weitere Fachgruppen mit ein. Über die Klinik hinaus wird das Thema auf verschiedenen Fachtagungen und Kongressen kommuniziert. Es wird unter anderem 2021 beim 4. Ulmer Pflegekongress Inhalt sein, im direkten Austausch mit amerikanischen Kollegen. 

Fazit
Zusammenfassend war die Teilnahme an der ANCC Magnet® Conference sowie die Hospitationen eine sehr erfolgreiche Zeit. Ein wesentliches Resumee ist vor allem eine Bestätigung der Erkenntnis erhalten zu haben, sich auch künftig für die Gewinnung von ANPs einzusetzen und diese im RKU zu integrieren. 

Autorin und Autor
Helene Maucher, Pflegedirektorin, RKU
Matthias Feistl, Senior Referent Unternehmensstrategie Pflege Sana Kliniken AG
Sabrina Erz, Leitung Prozessmanagement, RKU
Kerstin Leib, Teamleitung Neurologie, RKU
Alexandra Melchior, Pflege Stroke Unit, RKU

Datum der Veröffentlichung
13.02.2020

Haben Sie Fragen?

Rufen Sie uns an+49 (0)711 8101 6221
Schreiben Sie unsberatung@cfcc-programm.de
Kontaktieren Sie unsKontakt